Ein neuer Tech-Blog erblickt das Licht der Welt. Als ob es nicht schon genug von ihnen gäbe, gibt es jetzt noch einen anderen, der sich durchsetzt. Könnte man meinen.

2011 war das Jahr, in dem ich mich entschied, von meiner Karriere als Chemiker zurückzutreten und in die Informatik zu wechseln. Die Gründe dafür waren vielfältig, und vielleicht schreibe ich darüber in einem anderen Beitrag.

Als Wissenschaftler liest man natürlich viel. Man muss sehr sorgfältig recherchieren. Jede Information muss auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Die Quellen werden analysiert und verifiziert. (Fach-)Literatur aller Art wird kritisch und analytisch behandelt - das Gleiche gilt für das Lernen während des Studiums. Es gibt ein paar Standardwerke, die man lesen sollten, sowie spezifische Artikel und Paper. Aber auch hier ist man nie auf eine Arbeit allein angewiesen und zieht oft mehrere Quellen zusammen, um den Inhalt zu bestätigen. Im Allgemeinen sind nur die “offiziellen” Herausgeber von Büchern, Zeitschriften und Artikeln interessant.

Blogs werden überhaupt nicht konsultiert.

Nun, in den Naturwissenschaften gibt es dafür zwar gute Gründe, aber hier möchte ich jetzt nicht weiter darauf eingehen. An dieser Stelle möchte ich jedoch auf ein ausgezeichnetes Video von maiLab zu diesem Thema verweisen.

Der Wechsel zur Informatik hat mich also veranlasst, Tonnen von Fachliteratur zu kaufen, um mich mit verschiedenen Themen vertraut zu machen. Betriebssysteme, C++ für Einsteiger, Bücher über OOP, IT-Netzwerke und vieles mehr. Im Laufe meines Studiums bemerkte ich jedoch, dass vieles von dem, was in den Büchern steht, entweder bereits veraltet oder unvollständig war. Vor allem bei der Umsetzung des Gelernten in die Praxis halfen die Bücher kaum. In meiner Situation schaute ich also auf das Internet und fand unzählige Artikel zu den Themen und Problemen, die ich hatte, aber die meisten davon von Privatpersonen. Skeptisch suchte ich zunächst nach Antworten von den Big Playern. Aber da fand ich nur selten das, was ich suchte.

Also wagte ich den Schritt, private Blogs zu lesen. Und ich war überrascht: Meine Probleme waren nach kürzester Zeit gelöst. Nicht nur das: Ich habe sogar noch viel mehr gelernt. Viele der Artikel haben sich nicht nur oberflächlich mit dem Problem beschäftigt, sondern auch näher erläutert, worum es geht, warum es existiert und wie es gelöst werden kann und warum es so funktioniert. Es war großartig, und ich war begeistert von dem Inhalt und der Qualität der Informationen.

Heute, viele Jahre später, gehört das Lesen von Blogs und Artikeln nicht nur als Zeitvertreib, sondern auch als Plattform für offenen Austausch und Wissenstransfer zu meinem Alltag. Natürlich immer kritisch und analytisch - man sollte den Dingen nicht glauben, nur weil sie geschrieben sind. Es hat jedoch meinen Horizont auf eine ganz eigene Weise erweitert.

Ich weiß nicht, wo ich heute wäre, wenn es keine Gemeinschaft gäbe, die so selbstlos und qualitativ über ihre Erfahrungen berichten würde. Nun möchte ich meine eigenen Erfahrungen zu diesem ohnehin schon unbegreiflich großen und wertvollen Schatz hinzufügen, um hoffentlich anderen Entwicklern, Informatikern, Journalisten, Neugierigen, Studenten und gestrandeten Chemikern zu helfen, sich in der verrückten, aber wunderbaren Welt der Informatik zurecht zu finden.